Einfluss der Nutria

Eine wichtige Maßnahme im Rahmen des EU-LIFE-Projektes „Lebendige Röhrichte“ ist die Kontrolle und Beseitigung der Nutria im Projektgebiet. Die Nutria ist eine invasive Art und gefährdet die biologische Vielfalt und damit den Wert des Schutzgebietes.
Am Anfang der Kontrolle einer invasiven Art steht die Klärung, welche Schäden auf diese zurückgehen sowie welche Maßnahmen gegen die Art notwendig sind.
Der Nutriafraß ist ein auch am Bienener Altrhein konkret nachgewiesener Faktor für den erheblichen Rückgang der Röhrichtpflanzen. Dabei schädigt der Fraß die Röhrichtbestände in mehrerlei Hinsicht. Zum einen wird vor allem der Vegetationskegel der Pflanzen gefressen, dadurch können die Pflanzen nicht wieder neu austreiben und sterben ab. In der Folge sind die flachen Uferzonen nicht mehr durch Wurzelgeflecht befestigt, es kommt zu einer Absenkung. Dadurch gehen die Flächen für eine natürliche Wiederansiedlung des Röhrichts sowie der Lebensraum Schlammfluren verloren.
Durch die Zerstörung der Röhrichte sowie der Uferzonen ist die Artenvielfalt im Gebiet konkret gefährdet. Betroffen sind mehrere Vogelarten, aber auch zahlreiche weitere Tierarten. Aus der großen Gruppe der Insekten sind zum Beispiel die Schilfkäfer und die Schmetterlingsgattung der Schilfeulen an Röhricht gebunden.
Aus anderen Gebieten ist belegt, dass Nutria auch Schwimmblattpflanzen schädigen, indem sie die Rhizome am Wurzelgrund ausgraben und fressen. Auch für das Projektgebiet wurde ein starker Rückgang der Schwimmblattpflanzen dokumentiert, die Beteiligung der Nutria an dieser Entwicklung ist sehr wahrscheinlich.
Für die vom Aussterben bedrohte Trauerseeschwalbe kommt zusätzlich zu der Beeinträchtigung ihres Lebensraumes noch ein weiterer Faktor zum Tragen. Die Trauerseeschwalbe brütet im Projektgebiet auf sogenannten Nistflößen. In den letzten Jahren wurde mehrfach nachgewiesen, dass die Nutria diese Flöße besteigen und infolgedessen die Gelege zerstört werden.
Auch die stark gefährdete Fischart Bitterling, die am Bienener Altrhein geschützt werden soll, ist direkt von der Nutriaaktivität betroffen. Denn Bitterlinge legen ihre Eier in Großmuscheln ab. Und diese Muscheln werden ebenfalls von Nutria gefressen.

Kontrolle der Nutria

Um die Beseitigung der Nutria im Schutzgebiet zu erreichen, stellt das Fangen und Töten derzeit die einzige effektive und zugleich tierschonende Methode dar. Andere Ansätze wie das Fangen und Kastrieren, die hormonelle Sterilisation oder das großräumige Einzäunen eines Gebiets sind schwer praktikabel und zeigen keinen ausreichenden Erfolg. Sie sind zudem ebenfalls mit, teils sogar größeren, Belastungen für die Tiere verbunden. 

Das Naturschutzzentrum hat sich daher für das Fangen in Lebendfallen und ein möglichst zeitnahes Töten entschieden. Hierfür wurde ein detailliertes Vorgehen erarbeitet, mit dem Leiden und Schmerzen für die Nutria so gering wie möglich gehalten werden.

Für das Fangen wurden besondere Fallen entwickelt, in denen die Nutria sich nicht verletzen können und in einer geschützten Umgebung sind.  Sobald ein Tier gefangen ist, wird ein speziell ausgebildeter Jäger per Sender (automatische Wildmelder) benachrichtigt und sucht die Falle so schnell wie möglich auf. Das Tier wird direkt in der Falle schnell und schmerzlos   getötet. Mit Hilfe der automatischen Wildmelder ist es möglich, Störungen im Schutzgebiet zu minimieren und gleichzeitig den Anforderungen des Tierschutzes und der Fangjagdverordnung nachzukommen.

Um die schnelle Vermehrung der Nutria zu unterbrechen und insgesamt möglichst wenig Tiere töten zu müssen, soll die Zahl der Nutria so schnell wie möglich verringert werden.   Neben dem Einsatz der Lebendfallen werden daher in der Anfangsphase im Winter auch einzelne Streifjagden mit Jägern und Hunden durchgeführt.