Projektstand

Anpflanzungen

Im August 2018 fand die erste Pflanzung von Rohrkolbenröhricht statt. Für diese frühe Pflanzung wurde Pflanzenmaterial aus einem vorhergehenden Projekt verwendet. In den Folgejahren wurde am Bienener Altrhein autochthones Saatgut von Röhrichtpflanzen gesammelt. Dieses Saatgut wurde von einer spezialisierten Gärtnerei übernommen. Insgesamt werden daraus 12.550 Setzlinge produziert. Damit die jungen Pflanzen optimale Bedingungen am Bienener Altrhein vorfinden, wurden im April und im Mai 2019 und 2020 Einzäunungen mit Gittermatten und Wildzäunen hergestellt. Die mühsame Arbeit hat sich gelohnt: Im August 2019 und 2020 konnten zusammen rund 7.000 Setzlinge per Hand in den Schlamm bzw. in bis zu 30 cm Wassertiefe gepflanzt werden.
Gepflanzt wurden Schmalblättriger Rohrkolben, Breitblättriger Rohrkolben, Schlanksegge, Schilf und Wasserschwaden. Bis zu zehn Helfer waren dafür im Einsatz.
Im Mai 2021 wurden weitere 1.462 Setzlinge gepflanzt. Da die Wasserstände zu diesem Zeitpunkt hoch waren, wurden die Setzlinge an Land in sogenannte BESE-Matten gesteckt. Diese sollen ein Anwachsen der Pflanzen auch bei hohen Wasserständen gewährleisten. Die Matten sind biologisch abbaubar und zersetzen sich mit der Zeit. Im August 2021 wurden die Initialpflanzungen weitestgehend abgeschlossen. Dabei wurden weitere 10 umzäunte Flächen angelegt und mit 3.640 Setzlingen bepflanzt, dies waren überwiegend Setzlinge des Schmalblättrigen Rohrkolbens. Einzig die Schlank-Segge konnte aufgrund der ungewöhnlich hohen Wasserstände nicht gepflanzt werden. Das wird im Jahr 2022 nachgeholt.
Im Frühjahr 2021 wurde außerdem ein Anpflanzversuch mit rund 160 gebietsheimischen Setzlingen der Weißen Seerose sowie der Gelben Teichrose in einem abgezäunten Bereich durchgeführt. Der Anpflanzversuch soll zeigen, ob diese Arten im Altrhein wachsen können, wenn man den Faktor Fraß unterbindet.

 

Kontrolle der Nutria

Um die Röhrichte außerhalb der Käfige vor Fraß zu schützen wurde ein speziell ausgebildeter Jäger eingestellt. Zunächst wurden verschiedene Fallenmeldesysteme getestet und die Fallen im Hinblick auf den Tierschutz optimiert. Mit den so optimierten Fallen wird seit Januar 2019 im Projektgebiet gefangen. Derzeit sind bis zu 29 Fallen im Einsatz.
Die Erfolge dieser Maßnahme sind bereits gut sichtbar. Auch außerhalb der umzäunten Bereiche haben sich inzwischen ausgedehnte Röhrichte entwickelt.
Die getöteten Tiere werden nachhaltig verwertet. Ein Teil dient als Tierfutter für einen benachbarten Wildpark, ein Teil der Tiere geht zur Verwertung der hochwertigen Winterfelle in eine an ökologischen Kriterien ausgerichtete Fellverarbeitung und ein Teil wird vor Ort für Aasfresser belassen.

 

Dynamisierung der Wasserstände

Im Dezember 2019 wurden die automatischen Pegellogger durch die Fa. Terratransfer am Bienener Altrhein, an der „Rosau“ und am Millinger Meer montiert. Die Montage der Pegellatten und die Höheneinmessung auf Normal Null (Höhe über dem Meeresspiegel), war zu dem Zeitpunkt leider noch durch die höheren Wasserstände verhindert. Dies wurde im Sommer 2020 nachgeholt. Die aktuellen Wasserstandsentwicklungen konnten aber bereits vorher abgerufen werden.

Die zeitnahen Daten helfen uns im Projekt die Wasserstände in den Gewässern in Bezug auf die Röhrichtentwicklung zu optimieren.

Erfolgskontrolle

Die Entwicklung der Anpflanzungen wird seit 2018 jährlich innerhalb festgelegter Untersuchungsflächen dokumentiert. Die diesjährigen Erfassungen werden derzeit noch ausgewertet. Im Jahr 2020 zeigte sich, dass sich fast alle Arten innerhalb der Umzäunung ausgebreitet haben.
Die Röhrichte und Schwimmblattgesellschaften auch außerhalb der umzäunten Bereiche werden regelmäßig kontrolliert und alle drei Jahre flächendeckend erfasst. Zusätzlich finden jährliche Befliegungen statt, die genaue Orthophotos liefern. Diese Fotos aus der Luft helfen bei den Bestandserfassungen und geben einen guten Überblick zur Dokumentation und Veranschaulichung der Ergebnisse. Die Auswertung der Erfassung von 2020 zeigt, dass das Projekt auf dem richtigen Weg ist. Die Gesamtentwicklung der hochwüchsigen Röhrichtbestände verläuft bisher sehr positiv – insgesamt ist ein Zuwachs von rund 2,76 Hektar (= 27598 qm) zu verzeichnen, was einer Zunahme von 27 Prozent entspricht. Besonders erfreulich ist dabei, dass sich vier Röhrichtgesellschaften angesiedelt haben, die zu Projektbeginn nicht mehr vorhanden waren. Während das Röhricht des Schmalblättrigen Rohrkolbens sich aufgrund der Anpflanzungen wieder angesiedelt hat, haben sich die drei anderen Gesellschaften – das Strandsimsen-, Teichbinsen- und Schwanenblumen-Röhricht – auf natürlichem Weg etabliert. Ihr Flächenanteil ist jedoch noch gering. Die größten Zuwächse verzeichnen im Moment das Schilfröhricht, das Röhricht des Breitblättrigen Rohrkolbens sowie das Wasserschwadenröhricht. Auch diese Zunahmen sind überwiegend auf eine natürliche Ausbreitung zurückzuführen. Für die aktuell laufende Erfassung im Jahr 2021 lässt sich bereits sagen, dass die Entwicklung weiterhin positiv ist.
Hinsichtlich der Schlammfluren, für die jährliche Aufnahmen in ausgewählten Teilflächen erfolgen, gibt es positive Ergebnisse. Allerdings waren die Jahre 2018-2020 aufgrund der Trockenheit außergewöhnlich gute Jahre für Schlammfluren und ist deshalb nicht vergleichbar mit anderen Jahren. Es konnte aber gezeigt werden, wie wichtig die Schlammfluren als Keimflächen für Röhrichtarten sind.
Projektbegleitend erfolgt auch ein Nutria-Monitoring. In Zusammenarbeit mit der Hochschule Rhein-Waal wurde bereits 2019 mit der Erstellung eines Monitoringkonzeptes und Durchführung einer ersten Untersuchung begonnen. Dadurch steht jetzt eine erprobte Methodik zur Verfügung. Die ersten Zahlen deuten darauf hin, dass das Fangen der Nutria sehr effektiv zu sein scheint. Mittlerweile ist das Kerngebiet nahezu frei von Nutria.

Orthofotos eines Röhrichtbestandes im Süden des Bienener Altrheins.